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Solarbauerntagung vom 07. November 2009 in Wängi


Ehrgeizige Thurgauer Energieziele

Bericht der „Solarbauerntagung“ vom 7. November 09 in Wängi, TG: Sonne und Bio-Gas

Im herbstlichen Thurgau ist die Ernte eingebracht. Auf den Dächern von Landwirt Osterwalder und auf dem Hof von Landwirt Sprenger wird Strom produziert. Auf den Dächern der Familie Osterwalder sind durch den MBR Thurgau grossflächige Sonnenkollektoren installiert worden und auf dem Wohnhaus wird mit wenigen Quadratmetern Kollektoren Warmwasser aufbereitet. Auf dem Hof „Sprenger“ stehen 200 Schweine und 60 Kühe. Dabei fällt recht viel an verwertbarem „Abfall“ an. Unter Zufügung von zusätzlichem Substrat aus der Grüngutverwertung und der Lebensmittelindustrie wird mithilfe eines mit Biogas betriebenen Motors Elektrizität erzeugt. Beide Anlagen funktionieren zur Zufriedenheit der Investoren.

Bio-Betrieb mit Solaranlagen

Der Hof der Familie Osterwalder ist einer jener typischen Thurgauer Betriebe, welche in eine ausladende Landschaft eingebettet sind und Raum bieten für eine intensive Landwirtschaft. Einige Stichworte: 20 ha bewirtschaftetes Land, typischer Milchwirtschaftsbetrieb, 38 Grossvieheinheiten, welche im Jahr pro ha rund 10 000 kg Milch produzieren, Produktion als Bio-Betrieb. Die Kompostaufbereitung geschieht zusammen mit Landwirt Sprenger, welcher über eine moderne Biogasanlage verfügt, wobei neben Hofdünger auch vergärbares Grüngut zu Strom und Wärme umgewandelt wird.

Eine fast ideale Ausrichtung und Neigung der Dächer erlaubte die Installation einer grossflächigen Fotovoltaikanlage. Stichworte: Modulfläche 267.6 m2, 191 Stück Schüco S 175-SP-4, Nennleistung 33.43kWp, Inbetriebnahme 8. Mai 2008, Ertrag höher als geplant.

Osterwalder war von der Idee „Solar“ schon früh überzeugt, reichte ein Baugesuch ein, welches in kürzester Frist genehmigt wurde, stellte fest, dass die Kostendeckende Einspeisevergütung mit Wartefristen verbunden ist, meldete das Projekt beim Elektrizitätswerk der Stadt Zürich (ewz) bei der dort verwalteten Solarstrombörse an und erhielt innerhalb eines Monates einen positiven Bescheid. Osterwalder ist mit der Solarbranche verbunden, war er doch der erste Geschäftsführer des Maschinen- und Betriebshelferrings (MBR) Thurgau. Dank der engen Zusammenarbeit mit dem MBR konnte er das Vorhaben günstig ausführen. Die Finanzierung stellte er mit Eigenmitteln, einem Investitionskredit und einem Betrag aus dem Stromsparfonds der Stadt Zürich sicher. Dies hat u. a. zur Folge, dass seine Liquidität nicht strapaziert wird und Osterwalder während 20 Jahren eine feste, kostendeckende Entschädigung erhält. Aufgrund der überdurchschnittlichen Erträge der Anlage dürfte es möglich sein, die Sollwerte vor Ablauf der 20 Jahre zu erreichen.
Die detaillierte Leistungskontrolle der Anlage –Vergleich zwischen möglicher und tatsächlicher technischer Ausbeute-, zeigte, dass eine einsame Birke vor dem Haus einen Schattenwurf generiert, welcher pro Tag rund CHF 10.- Mindereinnahmen bewirkt. Sie wird daher bald gefällt.

 

Von der Anlageberatung, zur Ausführung bis hin zur Überwachung und Reinigung

Die Teilnehmenden wurden durch Christian Wolf, MBR, Thurgau, in die vielfältigen Fragestellungen der Planung, Erstellung und Wartung einer Fotovoltaikanlage eingeweiht. Dabei legte Wolf das Schwergewicht auf eine permanente, elektronisch basierte Überwachung und Auswertung, damit allfällige Probleme, wie der Ausfall eines Moduls, sofort erkannt werden können. Da auf landwirtschaftlichen Betrieben oft grössere Staub- und andere Schmutzpartikel anfallen können, „Munistaub“, wie er sich ausdrückte, ist unter Umständen eine periodische Reinigung der Panelen notwendig. Der MBR bietet dabei ein Verfahren an, welches mit einer Speziallösung arbeitet, damit keine Kalk- oder andere Restanzen die Leistungsfähigkeit der Panelen beeinträchtigt. Dass die Anlage solide ist, zeigte sich anlässlich eines Hagelniederschlages, welcher keine Schäden hinterliess.
Die systematische jährliche Überwachung der Anlage kostet lediglich CHF 300.-. Der Standort „Thurgau“ für Solaranlagen wird als gut bezeichnet. Stichworte: viele freistehende Dachflächen ohne Schattenwurf, geringe Schneebelastungen, unter Föhneinfluss relativ wenig Nebel. Die Grösse der Dächer birgt die Chance, bei Ausschreibungen für Solarbörsen, so des ewz, prioritär berücksichtigt zu werden.
Zentral bei der Beurteilung, ob eine Anlage gebaut werden soll oder nicht ist gemäss Wolf ein rechtzeitig vorliegender Einspeisevertrag.

 

Der Kanton Thurgau wünscht sich die grösste Solardichte bei Landwirten in der Schweiz

Andrea Paoli, Leiter Abteilung Energie bei der kantonalen Verwaltung, wies auf ein breites Unterstützungs- und Förderprogramm des Kantons Thurgau hin. Das Potenzial an „Erneuerbaren“ im Kanton sei sehr gross und müsse ausgeschöpft werden, nicht zuletzt, um damit einheimische Arbeitsplätze schaffen. Scherzhaft meinte er, dass die Saudis dann einfach einen Rolls Royce weniger kaufen, wenn wir anstelle von Erdöl die Sonne und andere einheimische Ressourcen nutzen.
Für das Jahr 2009 war ein Förderbetrag von 16,5 Mio. CHF vorgesehen. Die Vergabe liegt mit 22 Mio. CHF höher. Für den Solarteil wurden 3,7 Mio. CHF gesprochen. Die Unterstützung für 2010 dürfte in ähnlicher Höhe ausfallen.

Insgesamt wurden 2200 Gesuche geprüft. Die Auftragssumme, welche mit der Förderung ausgelöst wurde, beträgt rund 180 Mio. CHF. Dadurch können rund 900 Arbeitsplätze geschaffen resp. gesichert werden. Besondere Aufmerksamkeit widmet der Kanton der Möglichkeit, Strom, welcher ökologisch produziert, hingegen nicht (sofort) über eine Solarbörse oder die KEV abgesetzt werden kann, im Markt mit einem sog. „ökologischen Mehrwert“ anzubieten.
Paoli ist überzeugt, dass der Kanton fähig wäre, sich mit Energie selbst zu versorgen, wenn alle einheimischen Ressourcen genutzt würden.

 

Eindrückliche Biogasanlage auf dem Hof „Sprenger“

60 Kühe, 200 Schweine, 38 ha bewirtschaftetes Land, sind die wichtigsten Merkmale des Hofes von Jürg Sprenger. Schon früh beschäftigte sich Vater Erwin Sprenger mit der Verwertung der anfallenden biologischen Abfälle. Er kann als eigentlicher Biogaspionier bezeichnet werden. Seine erste Anlage erbaute er bereits 1982.
Dadurch erwarb er sich diejenige Erfahrung, welche notwendig ist, um auf einem Hof die Verwertung der Abfälle wirtschaftlich betreiben zu können, ohne dabei in die industriell betriebenen Anlagen von Elektrizitätsgesellschaften zu verfallen. Von „Ausschusszeltli“ bis hin zu Rossmist , Grüngut und Mühlestaub kann er alles verwerten. Die Verwertung von Grüngut und biogenen Abfällen in der Landwirtschaft ist sinnvoll. So werden die Nährstoffkreisläufe geschlossen. Durch die Vergärung, entsteht neben Strom für über 100 Haushalte auch Wärme. Dadurch kann Sprenger 7 Häuser in der näheren Umgebung versorgen. Diese bezahlen einen jährlichen Fixbetrag und eine Abgabe je nach Wärmebezug. Als Ergänzung dient den angeschlossenen Häusern eine Holzschnitzelheizung.
Die Einrichtungen auf dem Hof für die Bio-Gas-Anlage sind beeindruckend, nicht zuletzt der mit Bio-Gas betriebene Motor, welcher für die Produktion der Elektrizität sorgt und alleine eine Investition von nicht ganz 200 000.- CHF bedeutet.
Trotz der imposanten Dimensionen beansprucht das Betreiben der Anlage pro Tag höchstens eine Stunde Arbeitszeit.

 

Folgerungen

Die Energieunabhängigkeit ist in der Schweiz in vielen Gebieten möglich, da die einheimischen Ressourcen dafür vorhanden sind. Deren Nutzung kann und muss weiter gefördert werden. Landwirtschaftsbetriebe, nicht zuletzt im Verbund, können neben der Sonnenenergie und Holz am besten die anfallenden biologischen Abfälle verwerten, dadurch einen Zusatzverdienst generieren und erst noch die Umwelt schonen.
Dass solche Aktivitäten für Landwirte sinnvoller sind als eine bundesrätliche Empfehlung, als Nischenprodukt Kaviar herzustellen, ist augenfällig.

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