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Tagungsbericht: Morschach, 19. September 2009 |
Landwirte als Pioniere für erneuerbare Energien
"Nutzen Sie die Kraft der erneuerbaren Energien" steht in einer Unterlage der Firma "Windgate", welche an der Tagung vom 19. September 2009 eine kombinierte Anlage "Fotovoltaik und Windenergie" vorstellte.
Auf dem Hof von Xaver Betschart, Bergi, bei Morschach, SZ, mit der echten Aussicht auf die beiden Mythen -die Parlamentarier sehen genau diese Landschaft in ihrem Versammlungsort in Bern- versammelten sich zahlreiche interessierte Landwirte, um in Erfahrung zu bringen, wie sie die Sonnen- und die Windenergie für ihre Zwecke nutzen können.
Die Verantwortung gegenüber der anvertrauten Umwelt, gepaart mit legitimen Ertragsüberlegungen, führen dazu, dass besonders Landwirte in anspruchsvoll zu bearbeitenden Gebieten über die Nutzung der natürlichen Ressourcen zur Energiegewinnung nachdenken. Xaver Betschart, eingebettet in eine Grossfamilie, versteht es, verschiedene Verdienstquellen sinnvoll zu nutzen.
Der nahe Golfplatz bringt Arbeit, Grossvieheinheiten können in seinem Stall untergebracht werden und seit neustem verfügt sein Hof über eine Aufdach-Fotovoltaikanlage, kombiniert mit einer Windkrafteinrichtung. Der Entscheid für diese Investitionen fiel, bevor irgendeine Subventionszulage vorlag. Sollte dies der Fall sein und die laufenden Resultate gemäss den Erwarten ausfallen, will Betschart weitere Solarpanelen installieren lassen. Die Windanlage ist die erste installierte Kleinanlage auf einem Dach in der Schweiz, welche für die eigentliche Stromversorgung -also nicht einfach zu Demonstrationszwecken- konzipiert worden ist. Die Firma "Windgate" betrachtet allerdings diese Anlage als Pionieranlage und unterstützt den Investor auf dem weiteren Weg zum "Energiewirt". Die gesamte Stromproduktion auf dem Hof ist vorläufig so geregelt, dass zunächst der Eigenverbrauch gedeckt wird und nur diejenige Strommenge, welche nicht selbst benötigt wird, ins Netz eingespiesen wird. Vereinfacht: Zähler mit Rücklauf. Sobald die Anlage über swissgrid zur Kostendeckenden Einspeisevergütung zugelassen wird, kommt es zu einer vollständigen Einspeisung und einem separaten Strombezug.
Für die Fotovoltaikanlage und für die Windkrafteinrichtung sind separate Wechselrichter installiert worden. Dadurch wird u. a. berücksichtigt, dass die Stromerzeugung der beiden Anlagen unterschiedlichen Bedingungen unterliegt.
Ständerat Bruno Frick, der Hauptreferent an der Tagung, hob die langfristige Bedeutung der erneuerbaren Energien für die gesamte Energieversorgung unseres Landes hervor. Ständerat Frick ist es zu verdanken, dass die bis in die 90er Jahre zersplitterte Interessenwahrung der sog. "Alternativenergiehersteller" gebündelt werden konnte. Er war der erste Präsident von Swissolar.
Er ist sich bewusst - und setzt sich überzeugend dafür ein- , dass es ohne gewisse staatliche Fördermassnahmen kaum möglich ist, den vom Bund angestrebten Anteil der neuen erneuerbaren Energien zu erreichen. Sein Referat zeigte deutlich auf, dass man kontinuierlich am Ausbau der erneuerbaren Energien arbeiten muss und dies aus Überzeugung, u. a. basierend auf klaren Analysen der Verfügbarkeit der endlichen Ressourcen. Es gelingt Bruno Frick immer wieder, parteiübergreifend Erfolge für diese Anliegen zu erzielen.
Franz Philipp, Sekretär der Bauernvereinigung des Kantons Schwyz, betonte, dass im Kanton Schwyz noch Nachholbedarf bezüglich der Regulierung der Energiepolitik auf kantonaler Ebene vorhanden ist, doch ist er dankbar, wenn in kleinen Schritten im Hinblick auf eine breitere Nutzung der erneuerbaren Energien vorangegangen werden kann. Franz Philipp zeigte praktisch auf, dass neben der Solar- und Windenergie auch die gesamte Holzwirtschaft eine wichtige Rolle spielt. Er zeigte auf, dass Pellets und Gerste, je in einer kleinen Tüte verpackt, praktisch denselben Energieinhalt aufweisen. Aus ethischen Gründen zog er allerdings die Verwendung der Pellets derjenigen von Nahrungsmitteln vor.
Reto Rigassi, Co-Geschäftsführer von Suisse Eole, der Interessenvertretung der Windenergiebranche, freute sich über die Pionierinstallation auf dem Hof. In der Regel beschäftigt er sich mit grösseren Anlagen. Rigassi zeigte klar auf, dass gerade im benachbarten Ausland die Windenergie im Aufwind ist. Nicht nur an der Nordseeküste, sondern auch im benachbarten Baden-Württemberg findet die Windenergie immer mehr Anhänger. In der Schweiz eignen sich nur wenige Standorte für grosse Anlagen. Dort, wo solche bereits bestehen, kann auf eine äusserst hohe Akzeptanz bei der Bevölkerung gezählt werden.
Die Pionieranlage auf dem Hof Betschart zeige, dass es, nicht zuletzt als Ergänzung, sinnvoll und machbar ist, auch mit sog. Kleinanlagen einen Beitrag zur Stromversorgung zu leisten.
Die Diskussionen zeigten deutlich, dass sich trotz momentanen Schwierigkeiten bezüglich der Entgeltung von Solar- und Windstrom viele Landwirte ernsthaft mit dem Gedanken tragen, diese Ressourcen künftig einzusetzen und dabei wirtschaftliche Gründe und solche der Verantwortung gegenüber der Umwelt im Vordergrund stehen. Sachüberlegungen und nicht Ideologien stehen im Vordergrund. Die Fachleute der Firmen "Windgate" und "Conergy" standen den Teilnehmenden für weiterführende Fragen zur Verfügung.
Max Meyer, Projektleiter Solarbauern
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